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Berufsbetreuerinnen und -betreuer

Viele erwachsene Menschen sind auch im Kreis Höxter bei wichtigen Angelegenheiten auf professionelle Hilfe angewiesen, weil sie ihren Alltag alleine nicht regeln können – etwa weil sie durch eine schwere Krankheit, ihr hohes Alter, einen Unfall oder andere Gründe zu beeinträchtigt sind. Dann kommen sogenannte Berufsbetreuerinnen und -betreuer zum Einsatz. Dank ihnen erhalten die betreuten Personen eine neue Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Die Betreuungsbehörde des Kreises Höxter sucht ebensolche Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer, die im Rahmen einer gesicherten selbständigen Tätigkeit arbeiten.

Zwei Menschen, die als Berufsbetreuerin und Berufsbetreuer im Kreis Höxter arbeiten, sind Anne Fricke und Heinz Wagemann. In diesem Interview - geführt von Pearl Balschun von der Abteilung Vormundschaften und Betreuungen - berichten sie von ihrem Arbeitsalltag:

Wenn Frau Fricke morgens ihren Arbeitstag beginnt, ist kein Tag wie der andere. An manchen Tagen führt sie Gespräche mit Klienten und Klientinnen, unterstützt bei behördlichen Anträgen oder organisiert einen Pflegedienst. An anderen Tagen stehen existenzielle Entscheidungen im Mittelpunkt, wie beispielsweise die Suche nach einem passenden Heimplatz oder die Organisation einer notwendigen medizinischen Behandlung. Ihr Alltag ist geprägt von Verantwortung, Mitgefühl und Organisationstalent. Auch Herr Wagemann kennt diese Herausforderungen gut. Beide Berufsbetreuer erleben täglich, wie viel sie bewegen können, für Menschen, die sonst kaum Unterstützung hätten.

Anne Fricke


Frau Fricke hat ihren beruflichen Werdegang mit einer Erzieherausbildung begonnen und viele Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet. Anschließend studierte sie Soziale Arbeit und vertiefte ihr Wissen im sozialen Bereich. Über den Kontakt mit jungen Erwachsenen, die beim Übergang ins selbstständige Leben Unterstützung benötigen, stieß sie auf das Thema rechtliche Betreuung. Als Mutter fand sie schließlich in der Berufsbetreuung eine Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ohne dabei auf das zu verzichten, was ihr am Herzen liegt: Menschen zu begleiten und zu stärken. „Ich wollte weiterhin nah an den Menschen arbeiten, aber auch flexibel bleiben, ohne dabei meine Arbeit zu vernachlässigen.“

Herr Wagemann kam auf einem anderen Weg zur Berufsbetreuung. Ursprünglich war er Tischler, musste diesen Beruf jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Über den zweiten Bildungsweg machte er sein Abitur und studierte anschließend Soziale Arbeit. Nach Erfahrungen in der Jugend- und Behindertenhilfe entdeckte er die rechtliche Betreuung für sich: ein Arbeitsfeld, das für ihn juristische und soziale Kompetenzen sinnvoll verbindet. Was ihn an der Arbeit besonders fasziniert: die Vielseitigkeit und die Möglichkeit, ganz konkret zu helfen. „Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen den Menschen und dem System. Ich versuche, Strukturen zu schaffen, in denen sich meine Klienten wieder zurechtfinden können.“

Foto Wagemann
Heinz Wagemann


Berufsbetreuer vertreten die rechtlichen Interessen von volljährigen Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr allein regeln können, etwa aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Krisen. Dabei geht es keinesfalls darum, Menschen Entscheidungen abzunehmen. Im Gegenteil: „Betreuung ist keine Entmündigung“, betont Frau Fricke. „Es geht darum, gemeinsam mit den Klienten Lösungen zu finden – auf Augenhöhe.“

Die Zielgruppen sind vielfältig. Frau Fricke berichtet: „Ich betreue junge Erwachsene, die ihre erste Wohnung beziehen, Menschen mittleren Alters, die durch Schicksalsschläge aus der Bahn geraten sind, und ältere Menschen, die keine Angehörigen mehr haben.“ Dabei ist jede Betreuung so individuell wie der Mensch dahinter.

Auch Herr Wagemann arbeitet mit einem breiten Spektrum an Menschen zusammen. „Manche Klienten benötigen intensive Begleitung, andere wiederum brauchen nur punktuelle Unterstützung. Es ist wichtig, genau hinzuhören und individuell zu handeln.“ Dabei sei das Ziel immer, Ressourcen zu stärken, Selbstbestimmung zu fördern und dabei gleichzeitig den rechtlichen Rahmen im Blick zu behalten. Neben der Sinnhaftigkeit schätzen beide auch die Gestaltungsmöglichkeiten im Beruf.

Herr Wagemann betont zudem die Bedeutung des professionellen Netzwerks: „Man arbeitet zwar eigenständig, aber nie allein. Der Austausch mit Gerichten, Ärzten, Beratungsstellen, sozialen Diensten und anderen Betreuern ist ein zentraler Teil unserer Arbeit.“ Er hebt hervor, wie wertvoll auch der Kontakt zu Kollegen ist: „Wir sind zwar alle selbstständig, aber der fachliche Austausch, insbesondere bei komplexen Fällen, ist enorm wichtig und trägt zur Qualität der Arbeit bei.“

Die Herausforderungen im Alltag sind vielfältig. Frau Fricke erzählt: „Oft haben Klienten Hemmungen, Hilfe anzunehmen. Es braucht viel Zeit und Einfühlungsvermögen, um Vertrauen aufzubauen.“ Sie legt großen Wert darauf, Menschen zur Selbstständigkeit zu ermutigen: „Es geht nicht darum, alles abzunehmen, sondern gemeinsam zu schauen: Wo brauchst du Unterstützung und was kannst du (wieder) selbst übernehmen?“
Ein besonders positives Erlebnis hat Frau Fricke bei einer Klientin erlebt, die nach einem Schicksalsschlag zunächst alle Hoffnung verloren hatte. „Sie war gesundheitlich angeschlagen, lebte isoliert und hatte niemanden, der ihr zur Seite stand. Durch die Betreuung konnten wir gemeinsam Schritt für Schritt ihr Leben neu strukturieren. Heute lebt sie in einem betreuten Wohnumfeld, nimmt wieder am sozialen Leben teil und hat ihre Lebensfreude zurückgewonnen. Ihre Dankbarkeit hat mich sehr berührt.“

Auch Herr Wagemann blickt auf bewegende Erlebnisse zurück. „Einmal habe ich einen Klienten begleitet, der über lange Zeit völlig vereinsamt war. Mit viel Geduld konnten wir sein Vertrauen gewinnen, ihn medizinisch versorgen lassen und neue soziale Kontakte aufbauen. Als er mir sagte, dass er sich zum ersten Mal seit Jahren wieder sicher fühlt, wusste ich: Genau dafür mache ich diesen Beruf.“

Ein weiteres Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Ich hatte einen Klienten, der sich völlig in seinen Papieren verloren hatte. Er war verzweifelt, weil er nicht wusste, wie er seine Rechnungen bezahlen sollte. Gemeinsam haben wir Ordnung geschaffen, Anträge gestellt und Zahlungspläne ausgearbeitet. Nach einigen Monaten kam er zur Beratung und sagte: ‚Ich schlafe wieder ruhig.‘ Das sind die Momente, die zeigen, wie viel wir bewirken können.“

In dramatischen Momenten zeigt sich die Bedeutung des Berufs ganz besonders. Herr Wagemann schildert: „Ich fand einen Klienten bewusstlos in seiner Wohnung. Ich musste sofort reagieren und Hilfe holen. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie wichtig unsere Arbeit ist. Wir sind für Menschen da und organisieren professionelle Unterstützung, wie etwa Pflegedienste, Haushaltshilfen oder Beratungsangebote, wenn sie niemanden sonst haben.“

Geeignet sind Menschen mit sozialem oder juristischem Hintergrund. Auch Quereinsteiger sind willkommen. Wichtig sind Einfühlungsvermögen, rechtliches Grundverständnis, Belastbarkeit und der Wille, sich kontinuierlich weiterzubilden. „Man lernt nie aus“, sagt Herr Wagemann. „Das jedoch macht den Beruf auch so lebendig.“

Frau Fricke ergänzt: „Man sollte Herzblut mitbringen und die Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Lebensgeschichten einzulassen.“
Trotz steigender Nachfrage ist die Berufsbetreuung noch immer wenig bekannt. „Viele wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt“, sagt Frau Fricke. „Oft kommen Menschen erst zu uns, wenn die Krise schon da ist. Dabei wäre vieles leichter, wenn man frühzeitig Unterstützung annimmt.“
Beide wünschen sich mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Berufsfeld. „Es ist ein anspruchsvoller, aber unglaublich sinnvoller Beruf“, so Frau Fricke. „Ich erlebe jeden Tag, wie sehr wir das Leben von Menschen verbessern können.“

Herr Wagemann ergänzt: „Ich wünsche mir, dass mehr Menschen diesen Beruf entdecken – gerade auch Männer, die sich häufig nicht in sozialen Berufen sehen. Es braucht Engagement, ja – gleichzeitig erhält man unglaublich viel zurück.“

Wer sich für den Beruf interessiert, kann sich an die Betreuungsbehörde des Kreises Höxter wenden, bei der Interessierte beraten werden. Weitere Informationen sind auf der Internetseite des Kreises Höxter zu finden. Als Ansprechpartnerin gibt Ruth Müller auch gerne telefonisch Auskunft über 05641/7899 3867 oder via E-Mail an r.mueller@kreis-hoexter.de.

Denn eines ist sicher: Berufsbetreuung ist ein Beruf mit Zukunft – und mit Herz.

Ansprechpartner

Frau R. Müller
Vormundschaften und Betreuungen

Bahnhofstraße 26
34414 Warburg

Öffnungszeiten

Mo., Di., Mi. u. Fr. 07:30 Uhr bis 12.30 Uhr
oder nach Vereinbarung